Hinterziehungszinsen und weitere Folgen der Steuerhinterziehung: Der umfassende Ratgeber 2026

Steuerhinterziehung nach § 370 AO umfasst den Strafrahmen. Zusammenfassend werden Hinterziehungszinsen und Nebenfolgen im Überblick erklärt.

Steuerhinterziehung zieht neben der Nachzahlung verkürzter Steuern und einer möglichen Geld- oder Haftstrafe erhebliche finanzielle Nebenfolgen nach sich.

Zusätzlich zählen Hinterziehungszinsen nach § 235 AO zu den wichtigsten Folgen.

Mögliche Haftungsansprüche gegen Dritte sowie Zuschlagszahlungen nach § 398a AO bestehen, wenn eine strafbefreiende Selbstanzeige nach § 371 AO ausscheidet.

Was ist Steuerhinterziehung? Tatbestand nach § 370 AO

Die Steuerhinterziehung nach § 370 AO ist eine eigenständige Strafvorschrift innerhalb der Abgabenordnung und zählt zu den häufigsten Steuerstraftaten in Deutschland – dicht gefolgt von der leichtfertigen Steuerverkürzung nach § 378 AO, die vorliegt, wenn der Täter die Verkürzung von Abgaben lediglich fahrlässig herbeiführt.

Nach § 370 Absatz 1 Satz 1 AO macht sich strafbar, wer pflichtwidrig unrichtige, unvollständige oder vollständig unterlassene Angaben verschweigt.

Außerdem ist die Tat als Erfolgsdelikt erst vollendet, wenn eine Steuerfestsetzung zu niedrig erfolgt oder ganz unterbleibt.

Typische Steuervorteile sind etwa unberechtigte Sonderabschreibungen oder Vorsteueransprüche.

Strafrahmen bei Steuerhinterziehung:

FallgruppeStrafandrohung
Einfache SteuerhinterziehungBis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe
Schwere Steuerhinterziehung (z. B. erhebliches Ausmaß, Amtsträger)6 Monate bis 10 Jahre Freiheits- oder Geldstrafe

Die allgemeinen strafrechtlichen Vorschriften zu Täterschaft, Beihilfe, Anstiftung und Strafzumessung gelten im Steuerstrafverfahren entsprechend (§ 385 Absatz 1 AO). Zuständig sind ausschließlich die ordentlichen Gerichte, nicht die Finanzgerichte.

Hinterziehungszinsen nach § 235 AO: Ablauf und Berechnung

Wird eine Steuerhinterziehung entdeckt, muss der Steuerpflichtige nicht nur die verkürzten Steuern nachzahlen.

Außerdem muss er Hinterziehungszinsen nach § 235 AO leisten.

Der Ablauf umfasst in der Praxis vier Schritte.

Dazu gehören die Änderung des fehlerhaften Steuerbescheids, die Feststellung des hinterzogenen Betrags.

Anschließend erfolgt die Verzinsung dieses Betrags.

Schließlich erfolgt der Erlass eines Zins- bzw.. Haftungsbescheids.

Änderung der ursprünglichen Steuerfestsetzung

Das Strafverfahren läuft grundsätzlich parallel und unabhängig vom Besteuerungsverfahren (§ 393 Absatz 1 Satz 1 AO).

Zudem darf der Steuerpflichtige nicht unter Zwangsgeldandrohung zur Selbstbelastung gezwungen werden (§ 393 Absatz 1 Satz 2 AO).

Darüber hinaus verlängert sich die reguläre vierjährige Festsetzungsfrist bei Steuerhinterziehung auf zehn Jahre (§ 169 Absatz 2 Satz 2 AO).

Außerdem erfolgt die Änderung der fehlerhaften Bescheide regelmäßig über zwei Normen:

Beide Merkmale liegen bei einer Steuerhinterziehung praktisch immer vor, da der Steuerpflichtige das Finanzamt bewusst getäuscht oder relevante Informationen verschwiegen hat.

Feststellung des zu verzinsenden Betrags

Ausgangspunkt für die Zinsberechnung nach § 233a AO ist die Höhe der insgesamt hinterzogenen Steuer bzw.. der ungerechtfertigt erlangten Steuervorteile. Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip:

PositionBetrag
Festzusetzende EinkommensteuerEUR 100.000
Verschwiegene Einnahmen (§§ 8 Absatz 1, 18 EStG)EUR 40.000
Hinterzogene EinkommensteuerEUR 16.800
Zu verzinsender BetragEUR 16.800

Die Durchführung richtet sich sowohl nach den allgemeinen Vorschriften für Steuerverwaltungsakte (Hinterziehungszinsen sind steuerliche Nebenleistungen nach § 1 Absatz 3, § 3 Absatz 3 Nummer 4 AO) als auch nach den speziellen Zinsvorschriften der §§ 233, 233a, 235 und 238 bis 239 AO.

Zinssatz und Berechnung: Warum 6% pro Jahr gelten

Schuldner der Hinterziehungszinsen ist grundsätzlich derjenige, zu dessen Vorteil die Steuer hinterzogen wurde (§§ 43, 44 AO). Bei juristischen Personen wie einer GmbH haftet regelmäßig der handelnde Geschäftsführer persönlich nach § 71 AO.

Für die Berechnung sind drei Faktoren maßgeblich:

  • Beginn des Zinslaufs: Tag des Erlasses des ursprünglichen (fehlerhaften) Steuerbescheids (§ 370 Absatz 4 Satz 1, § 235 Absatz 2 AO)
  • Ende des Zinslaufs: Zeitpunkt der (ggf.. teilweisen) Zahlung der hinterzogenen Steuer (§ 235 Absatz 3 Satz 1 AO)
  • Zinssatz: 0,5% pro Monat, entsprechend 6% pro Jahr (§ 238 Absatz 1 Satz 1 AO)

Wichtig für die Praxis: Die Verfassungswidrigkeit eines Zinssatzes wurde vom Bundesverfassungsgericht ausschließlich für die reguläre Vollverzinsung nach § 233a AO festgestellt, weshalb dort seit 2019 nur noch 1,8% pro Jahr gelten. Die Hinterziehungszinsen nach § 235 AO sind von dieser Entscheidung nicht betroffen und verbleiben unverändert bei 6% pro Jahr.

Zusammen ergibt sich bei Erlass des Steuerbescheids am 01.02.2025 und Nachzahlung der Steuer am 10.04.2026 ein Zinszeitraum von 13 Monaten.

Außerdem bleiben nach § 238 Absatz 1 Satz 2 AO die restlichen 9 Tage unberücksichtigt.

Bei einem Betrag von EUR 16.800 fallen somit Zinsen an.

EUR 1.092,00 ergeben sich aus EUR 16.800 mal 0,5 Prozent mal 13 Monaten.

Festsetzung durch Zins- und Haftungsbescheid

Zinsbescheid und Begründung

Über die berechneten Zinsen ergeht ein Zinsbescheid als Verwaltungsakt über steuerliche Nebenleistungen nach § 118 Satz 1 AO.

Das Finanzamt muss ihn gemäß § 121 AO begründen.

Es muss die Bemessungsgrundlage angeben.

Es muss den Berechnungszeitraum (§ 235 Absatz 2 und 3 AO) und anzurechnende Beträge nach § 235 Absatz 4 in Verbindung mit § 233a AO angeben.

Bereits festgesetzte Nachzahlungszinsen für denselben Zeitraum werden dabei angerechnet.

Wurde die Steuer für eine andere Person hinterzogen, etwa durch Eltern oder den Steuerberater.

In jedem Fall haftet die handelnde natürliche Person nach § 71 AO für Steuer und Zinsen.

Die Inanspruchnahme erfolgt per Haftungsbescheid nach § 191 Absatz 1 Satz 1 AO.

Die zehnjährige Festsetzungsfrist gilt entsprechend.

Wer bereits ins Ausland verzogen ist und dennoch mit einer Steuerhinterziehung in Deutschland konfrontiert wird.

sollte das Zusammenspiel mit der Wegzugsbesteuerung frühzeitig steuerlich prüfen lassen.

Weitere Nebenfolgen einer Steuerhinterziehung

Über Steuernachzahlung, Hinterziehungszinsen und mögliche Freiheits- oder Geldstrafe hinaus drohen zahlreiche weitere Konsequenzen, die je nach Berufsgruppe und Schwere des Falls erheblich ins Gewicht fallen können.

  • Zuschlagszahlung nach § 398a AO: Scheidet eine strafbefreiende Selbstanzeige aus, kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen, wenn der Steuerpflichtige zusätzlich zu Steuer und Zinsen einen Zuschlag von 10% bis 20% der hinterzogenen Summe zahlt (§ 398a Absatz 1 Nummer 2 AO)
  • Gewerbeuntersagung: Das Gewerbeamt kann bei begründeten Zweifeln an der Zuverlässigkeit, etwa durch Steuerhinterziehung, ein Gewerbe untersagen (§ 35 Absatz 1 GewO)
  • Disziplinarrechtliche Folgen für Beamte: Bei einer Freiheitsstrafe ab 12 Monaten endet das Beamtenverhältnis kraft Gesetzes, andernfalls drohen Disziplinarmaßnahmen bis zur Entfernung aus dem Dienst (§ 24 Absatz 1 Nummer 1 BeamtStG)
  • Aberkennung öffentlicher Ämter: Nach § 375 Absatz 1 AO kann die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter aberkannt werden, was auch den Widerruf der Bestellung zum Steuerberater (§ 46 Absatz 2 Nummer 2 StBerG) oder zum Rechtsanwalt (§ 14 Absatz 2 Nummer 2 BRAO) nach sich zieht

Für berufsrechtliche Konsequenzen ist die Art der Tatbeteiligung – Täterschaft, Beihilfe oder Anstiftung – unerheblich. Entscheidend ist allein, dass das Strafgericht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verhängt hat.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine steuerliche, rechtliche oder wirtschaftliche Beratung dar. Die Inhalte wurden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Steuerliche Regelungen unterliegen laufenden Änderungen durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltungsanweisungen – die dargestellte Rechtslage kann sich seit Veröffentlichung geändert haben. Eine individuelle steuerliche Beratung unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Verhältnisse wird ausdrücklich empfohlen. Eine Haftung für Handlungen oder Unterlassungen, die auf Grundlage dieses Beitrags erfolgen, wird ausgeschlossen.

© 2026 Paul Simon Kasper – Alle Rechte vorbehalten. Jede Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige Nutzung dieses Beitrags – auch auszugsweise – bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Autors.

author avatar
Paul Simon Kasper
Paul Simon Kasper, Steuerberater der PSK Steuerberatung in Dubai, Porträtfoto

Ihr Ansprechpartner

Paul Simon Kasper

Steuerberater

simon@steuerberater-psk.com